KI

Wie ich es mit KI halte

Mein ehrlicher, sich entwickelnder Standpunkt zu KI und Kunst auf Conflavo – auch dazu, wo ich sie selbst für diese Seite nutze.

Conflavo-Logo mit einem roten Verbotsschild mit der Aufschrift NO AI, durchgestrichen

Es ist mir bewusst, dass insbesondere in der Kunstszene sehr kontrovers über KI diskutiert wird – und ich kann das auch völlig verstehen. Die KI-Modelle wurden von uns allen unfreiwillig mit unseren Bildern, Videos, Kommentaren, Blog- und Forenbeiträgen und allen möglichen Social-Media-Posts gefüttert, und jetzt versuchen Milliardäre und Konzerne, mit diesen Modellen Geld zu verdienen. Dann tauchen auch noch Accounts auf, die ein paar Prompts eingeben, das Ergebnis massenhaft hochladen und es Kunst nennen – Bilder, Texte und Videos, die auf der Arbeit von Leuten aufbauen, die nie gefragt wurden. Inzwischen ist jede Online-Plattform voll davon.

Das ist besonders frustrierend, wenn man sich als Künstler:in über viele Jahre Techniken aneignet, übt, malt, zeichnet, schreibt – und dann feststellen muss, dass man selbst nicht mehr wahr- und ernst genommen wird, weil man unter all dem Slop untergeht. Mal abgesehen davon, dass es schon vor KI schwer genug war, neben allem anderen im Feed zu bestehen.

Was auf Conflavo gelten wird

Conflavo soll ein Ort sein, an dem man es mit Menschen zu tun hat. Deshalb ganz klar vorweg: Inhalte, die im Wesentlichen aus einem Prompt fallen und dann so bleiben, sind hier nicht willkommen. Sie werden entfernt, wenn sie auffallen.

Das heißt nicht, dass KI als Werkzeug verboten ist. Wer sie für eine Idee, eine Referenz oder einen Zwischenschritt nutzt und dann selbst weiterarbeitet, muss sich nicht rechtfertigen. Beim Einstellen eines Werks wirst du gefragt, ob KI im Spiel war – wer sie genutzt hat, sagt es einfach, und wer solche Werke nicht sehen möchte, blendet sie aus. Der Unterschied, um den es geht, ist nicht Werkzeug oder kein Werkzeug. Er ist: Hat hier jemand gearbeitet, oder hat jemand nur bestellt?

Und jetzt der ehrliche Teil. Ich kann nicht versprechen, dass sich das immer feststellen lässt. Es geht nicht – weder technisch noch sonst irgendwie. Manches ist offensichtlich und das werde ich auf der Plattform aussortieren, aber eine 100%ige Sicherheit kann es bei diesem Thema nicht geben. (Dazu folgt noch ein ausführlicherer Blog-Artikel.)

Vor allem wird bei Conflavo kein Detektor über deine Arbeit urteilen. Solche Werkzeuge gibt es, sie werden beworben, und sie liegen falsch – ausgerechnet bei sauber gescannten Zeichnungen und bei digital gemalten Bildern. Ich werde nichts installieren, das dich für eine Maschine hält, weil du zu ordentlich arbeitest.

Was dagegen geht: Ein einzelnes Bild kann man nicht prüfen. Einen Account schon. Wer bei Conflavo oder anderen Plattformen ein halbes Jahr unterwegs ist, hinterlässt Eindrücke, die sich schlecht fälschen lassen – Zwischenstände der eigenen Arbeiten, verworfene Versuche, Antworten auf Kommentare, eine Handschrift, die sich entwickelt. Genau darauf ist Conflavo gebaut:

  • Es wird eine Obergrenze für Posts geben. Nicht wegen der KI, sondern weil ein Feed, in dem alles untergeht, für niemanden gut ist. Die Nebenwirkung nehme ich gern mit: Wer auf Masse angewiesen ist, hat hier nichts zu gewinnen.
  • Es wird ein Feature Namens „Werkstatt" geben – ein Tool, mit dem du die Entstehung eines Werks zeigen kannst, wenn du magst. Freiwillig. Aber wer es tut, hat jedes Gespräch über Echtheit schon geführt, bevor es anfängt.
  • KI-Verdachtsfälle können gemeldet werden. Bei so einer Meldung entscheiden Menschen – und im Zweifel für dich. Wer zeigen kann, wie ein Werk entstanden ist, für den ist die Sache erledigt.
  • Und niemand muss dafür seinen Ausweis zeigen. Es wird keine Klarnamenpflicht und keine Identitätsprüfung geben; Pseudonyme sind in dieser Szene aus guten Gründen normal. Echtheit zeigt sich hier über die Zeit, nicht über ein Ausweisdokument.

Perfekt wird das nicht. Es werden KI-Inhalte durchrutschen und es wird Streitfälle geben. Ich verspreche dir nicht, dass Conflavo KI-frei sein wird – ich verspreche dir, dass hier niemand mit dem Nullaufwand-Prinzip weit kommt und dass ich es nicht schleifen lasse. Falls dir etwas einfällt, das besser wirkt: Ich bin für Ideen offen, unten steht, wie du mich erreichst.

Schutz deiner Werke vor KI?

Manche Plattformen versprechen dir, deine Werke davor zu schützen, ungefragt für das Training eines KI-Modells verwendet zu werden. Fakt ist: Auch das ist technisch nicht möglich. Sobald du etwas im Internet veröffentlichst, kann es von Scrapern und Bots entdeckt, gespeichert und für ein Modell verwendet werden. Wer dir hier eine Garantie gibt, kann sie nicht halten.

Was ich tun kann und werde: alle technischen Raffinessen anwenden, die mit einem vertretbaren Aufwand umgesetzt werden können, um es ungewollten Bots so schwer zu machen wie möglich.

Zwei Dinge stehen dagegen von absolut fest und werden von mir garantiert:

  • Ich werde keine KI-Modelle mit den Werken trainieren, die du auf Conflavo veröffentlichst – und ich verkaufe sie auch niemandem, der es tut. Nicht heute und nicht in einer stillschweigend geänderten AGB.
  • Es wird auf Conflavo keine Funktion geben, mit der man Werke, Bilder oder Texte generieren lässt. Kein „Bild erzeugen"-Knopf, kein Assistent, der dir die Rezension schreibt. Sollte ich irgendwann KI im Hintergrund einsetzen – vielleicht für Übersetzungen, Alt-Texte oder Spam-Abwehr –, wird das von mir transparent kommuniziert.

Volle Transparenz: Ich nutze KI

Seit 2009 programmiere ich Webportale und erfahre nun selbst, dass meine manuelle Programmierarbeit eigentlich nicht mehr nötig ist: Coding Agents können das heute in beeindruckender Qualität und Geschwindigkeit besser. Und ehrlich gesagt: Ich finde das großartig – weil ich mich jetzt intensiver um Ideen und Konzeption kümmern kann, statt an Detailfragen und Bugs im Code hängenzubleiben. Das war für mich auch der Anstoß, dieses Projekt zu starten: Mir war klar, dass ein Vorhaben dieser Größe für mich allein gar nicht zu machen wäre, aber mit Coding Agents wird das plötzlich doch realistisch.

Dass ich das bei Code entspannt sehe und bei Kunst nicht, ist kein Widerspruch. Code ist ein Mittel, das niemand sehen will – er soll funktionieren, dann ist er egal. Ein Bild, ein Roman oder ein Gemälde ist der Zweck selbst. Wenn man das automatisiert, bleibt nichts übrig.

Wofür ich KI nutze:

  • Recherchen und Daten-Auswertungen: Ich nutze KI als Assistenz, um mir über Themen und Fragen einen schnellen Überblick zu verschaffen und mehr Anhaltspunkte für eigene Recherchen zu haben.
  • Hilfe bei der Konzeption: Ideen entwickeln, prüfen, sortieren, priorisieren. Die KI hilft mir, Übersicht über meine vielen Ideen zu behalten und sie konzeptionell aufeinander abzustimmen. Aber: Ich entscheide, was wie umgesetzt wird.
  • Technische Konzeption und Umsetzung: Zusammen mit der KI definiere ich den technischen Rahmen und lasse die KI programmieren. Ich entscheide aber letztendlich, was wie technisch umgesetzt wird – und den Code der KI prüfe ich ebenfalls.
  • Texte und Grafiken auf dieser Webseite: Oft lasse ich die KI aus den Recherchen und der Konzeption Texte und Grafiken für die Kommunikation auf dieser Seite erstellen. Diese werden von mir geprüft und regelmäßig überarbeitet.

Gerade beim letzten Punkt ist mir völlig klar, wie das aussieht: Auf Conflavo sollen reine Prompt-Ergebnisse keinen Platz haben – und für diese Seite generiere ich selbst Texte und Grafiken. Das sieht nach zweierlei Maß aus.

Der Unterschied ist nicht, dass für mich andere Regeln gelten. Der Unterschied ist für mich, wo diese Inhalte landen und was deren Zweck ist:

  • Ich stelle sie nicht als Werk ein und ich verkaufe sie nicht. Sie hängen in keiner Galerie, stehen in keinem Profil und konkurrieren mit keiner Arbeit, die ein Mensch gemacht hat.
  • Sie haben einen einzigen Zweck: meine Idee von Conflavo zu vermitteln, bevor es Conflavo gibt. Sie sind keine Kunstwerke mit einem eigenen Wert.
  • Und sie sind befristet – nicht vage „irgendwann", sondern an eine Bedingung geknüpft: Sobald Conflavo Geld einbringt, wandert das Budget für Grafik, Text und UI-Design an Artists auf dieser Plattform.

Wenn du das für Haarspalterei hältst, kann ich das nicht entkräften. Ich kann die Grenze nur so deutlich ziehen, dass du sie prüfen kannst.

Ich kann akzeptieren, dass dieser Standpunkt nicht allen gefällt. Für mich sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt aber keine andere Möglichkeit: Ich möchte jetzt starten, ich bin (noch) Einzelkämpfer, arbeite in einem festen Job und habe kein Vermögen und keine Geldgeber – ohne KI-Unterstützung müsste ich vor der Komplexität des Projekts, den Kosten und dem schieren Arbeitsumfang kapitulieren.

Wenn du findest, dass ich an einer Stelle zu weit gehe – oder wenn dir eine bessere Idee einfällt, wie man Prompt-Massenware von Conflavo fernhält: Schreib mir an conflavo.official@gmail.com.

— Tobi